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Kairo: Institut d’Égypte stand in Flammen

Veröffentlicht am 28. Dezember 2011 um 03:23 Uhr | Redakteur: Daniel Haas | 2 Kommentare

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht am 18. Dezember 2011 und anschließend überarbeitet. Eine umfassende Neubearbeitung erfolgte am 29. Dezember 2011. In Kürze werden die älteren Beitragsfassungen in einem Archiv bereitgestellt.

This article was first published on December 18th 2011 and updated later on. A fundamental revision was undertaken on December 29th 2011. Older versions will be made available in an archive as soon as possible.

Überblick / Overview:

  • Ursachen / Causes
  • Geschichte, Bedeutung und Buchbestand des Instituts / History, Meaning and the Book Collection of the Institute
  • Rettungs- und Erhaltungsmaßnahmen / Rescue and Conservation
  • Empfehlenswerte Quellen / Recommended Sources
  • Bilder und Videos / Pictures and Videos
  • Facebook

Am 17. Dezember 2011 ging das Gebäude des Kairener Institut d’Égypte in Flammen auf. “Ein schwarzer Tag für das Kulturerbe”, titelte Cybrarians, ein arabisches Portal für Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Denn im Institutsgebäude lagerten wertvolle Bücher, u.a. ein Originaldruck der bedeutenden Description de l’Égypte. Nicht zum ersten Mal im “Arabischen Frühling” ist das wertvolle kulturelle Erbe des Nillandes bedroht.

Ursachen

Wie es genau zu dem Feuer im Institut d’Égypte gekommen ist, bleibt weiter unklar. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) fragt: “Waren es randalierende Jugendliche, Soldaten oder versprengte Mubarak-Anhänger?” Die Gerüchteküche brodelt. Nicht ausgeschlossen werden kann bisher jedenfalls, dass direkt oder indirekt das Militär oder Anhänger des gestürzten Husni Mubarak hinter dem Drama stecken. “So oder so ändert es nichts am Ergebnis […]“, stellt SZ-Autorin Sonja Zekri aber ganz zu recht fest.

Im Umfeld des Museums kam es im Vorfeld des Feuers immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten (“Sunday’s papers: Fires, martyrs, military violations… and elections” bei der Egypt Independent). Das Institut liegt in einem zentralen Stadtbezirk (“Downtown”) in umittelbarer Nähe zum Tahrir-Platz, dem Schura-Rat (Madschlis al-Schura, d.i. das Oberhaus des ägyptischen parlamentarischen Zweikammersystems) und anderen wichtigen Einrichtungen. Etliche Ägypter verloren hier bei den Ausschreitungen ihr Leben, darunter auch ein Islam-Gelehrter.

Geschichte, Bedeutung und Buchbestand des Instituts

Das Institut d’Égypte wurde 1798 im Zuge der napoleonischen Ägyptenexpedition gegründet. Napoleon Bonaparte selbst gehörte zu den frühen Mitgliedern der Einrichtung. Einst eine bedeutende Forschungsinstitution, gepriesen z.B. als “Keimzelle der modernen Ägyptenforschung” (Hannoversche Allgemeine, 22.12.2011), fristete das Institut in der jüngeren Vergangenheit eher ein Schattendasein. Verf. selbst konnte sich 2006, im Rahmen eines Praktikums am Deutschen Archäologisches Institut Kairo, einen Eindruck von der Bibliothek machen (siehe Bilder unten). In meterhohen Regalen waren damals wertvolle Bücher und Manuskripte aus vielen Jahrhunderten, viele davon in einem schlechten Zustand, gelagert. Maßnahmen zum Brandschutz waren kaum auszumachen. – Aber das mag nur mein erster Eindruck gewesen sein.

“Kein Mensch wusste, dass in diesem Gebäude eine solche Sammlung war”, wird Sain Abd al-Hady, der Direktor der ägyptischen Nationalbibliothek (Dar al-Kutub) zitiert. Diese Äußerung zeigt, wie traurig die Lage der Bibliothek offenbar schon vor dem verheerenden Brand war. Ganz vergessen war das Institut freilich nicht: Die International School of Information Science der Bibliotheca Alexandrina informiert auf seiner Homepage über ein Projekt “Revival of l’Institut d’Egypte” (“Wiederbelebung des Institut d’Égypte”) – letzte Aktualisierung November 2007 (Zugriff: 29.12.2011). Verf. weiß nicht, was aus diesem Projekt geworden ist; Hinweise werden dankbar angenommen. Den alten Glanz hat das Institut in den vergangenen Jahren ganz sicher nicht wiedererlangt.

Auffällig in der momentanen Berichterstattung sind die z.T. sehr voneinander abweichenden Angaben zum Bestand der Bibliothek. Hinsichtlich des Gesamtbestandes variieren die Zahlen von 40.000 (Cybrarians) bis 250.000 (Hannoversche Allgemeine, 22.12.2011). Vielleicht bringen die nächsten Wochen Klarheit. Zum Bestand zählten Manuskripte, Bücher, Karten und andere Druckwerke. Als bedeutende Titel werden genannt:

  • die Originalkopie der Description de l’Égypte (siehe “Description de l’Égypte” bei Wikipedia);
  • einen “Atlas der altindischen Kunst” (?);
  • einen “deutschen Atlas über Ägypten und Äthiopien” von 1842 (Es könnten die Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien von Karl Richard Lepsius, erschienen 1849-1859, gemeint sein. 1842 begann die Preußische Expedition. Digitalisiert u.a. von der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle.);
  • ein Werk “Egypt: the mother of the world” von 1753 (?).

Rettungs- und Erhaltungsmaßnahmen

Manuskripte, Bücher und andere Druckwerke

Freiwillige, darunter offenbar auch Soldaten, hatten noch während des Brandes versucht Bücher aus dem Gebäude zu retten. Dass tatsächlich auch mit kriminellen Absichten Objekte aus dem Institut mitgenommen worden sind, ist zu vermuten. (NB: William J. Kopycki veröffentlichte über MELANET [Mailingliste der Middle East Librarians Association] einige Fotos der Bibliotheksstempel des Institut d’Égypt ([siehe Beitrag bei der Ancient World Bloggers Group]. Diese können nützlich sein, um illegal in den Handel gelangte Bücher aufzuspüren.)

Wie auch bei den Demonstrationen am Beginn von 2011, wurde nach dem Brand ein Teil der Rettungsmaßnahmen von engagierten Ägyptern via sozialer Netzwerke organisiert. Dr. Nagla Rizk von der American University in Cairo veröffentlichte z.B. bei Twitter (@naglarzk) den folgenden Tweet:

if you are want to volunteer help with documents salvaged from Institut d’Egypte, email me on email address in bio

Im Internet tauchten Listen mit für die Erhaltung der Bücher benötigten Materialen (Handschuhe etc.) auf. Gruppen wurden auf Facebook gegründet (z.B. “Save the books”), die Freiwillige und Interessierte über die Maßnahmen informieren.

Die Leitung der Bücherrettung liegt bei der ägyptischen Nationalbibliothek. Wie viele Bücher letztlich gerettet werden konnten ist nicht eindeutig, die Zahlen reichen von 35.000 bis 50.000 Titeln.

Gebäude

Schon am Tag nach dem Brand wurde von der Einrichtung eines “archäologischen Komitees” berichtet, welches unter Leitung von Mohsen Sayed, dem Leiter der Abteilung für islamische und koptische Altertümer der ägyptischen Altertümerverwaltung, die Bausubstanz des niedergebrannten Gebäudes begutachten soll.

Empefehlenswerte Quellen

18.12.2011

19.12.2011

29.12.2011

Bilder und Videos

29.12.2011

Facebook

29.12.2011